Nachhaltige Fortbildungen

Es gibt eine riesige Trainingsindustrie, welche den Menschen hilft mehr zu Wissen. Es gibt z.B. Projektmanagementseminare, in denen die Teilnehmer das Wissen von Projektmanagement vermittelt bekommen.

Wissen alleine Hilft nicht

Die Anwendung ist das Entscheidende. Der frisch Wissensvermittelte Projektleiter findet plötzlich ein echtes Unternehmen vor, mit echten Menschen und nicht nur Rollen auf dem Papier. Dazu kommen ganz viele (Sonder-)Fälle, welche in der Theorie nicht behandelt wurden. Die Anwendung des Wissens klappt aus seiner Sicht nicht und überhaupt ist dafür keine Zeit.

Wenn extrem übergewichtige Menschen abnehmen wollen, wissen sie, dass sie sich gesünder ernähren und mehr bewegen sollten. Dennoch nehmen sie häufig nicht ab und verhalten sich nicht entsprechend dem, was sie wissen. Da spielen z.B. Gewohnheiten, die Eigenschaften und die Persönlichkeit mit rein, welche ggf. ein anderes Verhalten basierend auf dem Wissen verhindern. Verhalten das über Jahrzehnte antrainiert wurde wird nicht durch ein bisschen Wissen überschrieben.

Natürlich ist ein erster Schritt, überhaupt zu Wissen, dass es eine Option gibt sich anders zu verhalten. Die Wissensvermittlung kann also ein sinnvoller erster Schritt sein. Ich habe nichts gegen Trainings und Wissensvermittlung. Nur dann ist es wichtig, daraus auch was zu machen und das ist eben kein Automatismus.

Von der Theorie zur Praxis

Bezüglich Programmierung z.B. gibt es immer wieder das Problem, dass jemand einen Kurs besucht zu einem Programmierthema und er oder sie dann das gelernte nicht auf den Code im Unternehmen übertragen kann, weil dann eben doch alles anders ist, andere Rahmenbedingungen da sind, der Zeitdruck dazu kommt, so dass keine Zeit ist neue Dinge auszuprobieren, usw.

Ein Thema, dem sich meine Mitarbeiter widmen wollten war Clean Code, wo es um gewisse Programmiertechniken geht. Hier habe ich einen großartigen Trainer für dieses Thema gefunden (Thomas Much) und mit ihm geklärt, dass ich eben nicht einfach eine Schulung diesbezüglich möchte, sondern mir wichtig ist, dass es auch zur Anwendung kommt. Unsere Lösung: Immer wieder mal einen Workshop, in dem ein kleines Prinzip vermittelt wird und dann gehen alle zurück an den Arbeitsplatz und wenden es gemeinsam mit Thomas am eigenen Code an (Pair und Mob Programming). Anschließend nimmt sich die Gruppe eine Änderung des eigenen Coding-Verhaltens bezüglich des Prinzips vor und beim nächsten Workshop werden die Erfahrungen damit reflektiert und ggf. aufgearbeitet. So haben sich die Programmierpraktiken des Clean Codes bei uns nachhaltig etabliert und die Codequalität steigt kontinuierlich mit jedem Workshop.

Leider sind die 10 Minuten schon wieder um. Es gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten von der Wissensvermittlung zur Anwendung zu kommen. Das ist für mich als Coach für Führungskräfte ein sehr wichtiges Thema. Denn nur das Ergebnis meiner Coachees zählt, nicht wie viel mehr sie nach meinem Coaching wissen.

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