Wann ist Selbstorganisation gut?

In meinem letzten Artikel zum richtigen Führungsstil habe ich Beispiele dafür gegeben, wann Selbstorganisation nicht geeignet ist. Jetzt will ich näher darauf eingehen, warum dann alle von Selbstorganisation sprechen oder das anstreben. Der wesentliche Punkt dabei ist die gewachsene Komplexität. Früher gab es sehr viele Aufgaben, bei denen es eine oder ein paar gute Lösungen gab. Die Probleme waren also nur einfach oder höchstens kompliziert und wenn einer wusste wie es geht, konnte er dies als Best Practices weitergeben. Da gibt es dann auch nicht viel zu diskutieren, denn es sind ja schon beste Lösungen.

In den komplexen Umgebungen die wir heute häufig vorfinden, können wir nicht im Voraus wissen, was die Beste Lösung ist. Da bin ich etwas genauer drauf eingegangen in dem Artikel Projekt-Wahrsagen. Das heißt, Erfahrung ist hier hilfreich und doch werden wir erst im Nachhinein sehen, warum etwas gut funktioniert oder eben nicht gut funktioniert hat. Nur wie kommen wir jetzt zu der Entscheidung, welchen Ansatz wir wählen, welches Experiment wir machen? Das hat eben doch ganz viel mit Erfahrung und Bauchgefühl zu tun.

Genau da liegt die Stärke der Selbstorganisation. Während bei Führungsmodellen mit einem Chef davon ausgegangen wird, dass dieser es am besten kann und deshalb vorgehen kann, funktioniert diese Vorannahme in komplexen Umgebungen nicht mehr. Die Führungskraft hat dann nur einen Satz von Erfahrungen und nur ein Bauchgefühl. In der Selbstorganisation hingegen wird die Erfahrung und das Bauchgefühl aller Teammitglieder genutzt. Ein wesentliches Element, um in komplexen Umgebungen erfolgreich zu sein, wird also durch die Selbstorganisation massiv verstärkt. Dieses Prinzip wird dann weiter unterstützt von dem Commitment der einzelnen Teammitglieder.

Während autoritäre Führung in komplexen Umgebungen nicht gut funktioniert, geht es andersrum schon. Selbstorganisation funktioniert auch gut bei komplizierten Problemen. Deshalb ist es heutzutage tendenziell gut sich an der Selbstorganisation zu orientieren, wenn es nicht klar einfache oder chaotische Umgebungen sind. Es ist nur wichtig sich dann der Nachteile der Selbstorganisation in diesem Umfeld klar zu werden. So entsteht ein deutlicher Mehraufwand für Kommunikation, Entscheidungen, Abstimmungen und überhaupt der ganzen Organisation. Es gibt ja nicht nur einfach einer vor. Natürlich kann man auch hier einen Vorteil drin sehen, da dieses Vorgehen gleichzeitig zur Mitarbeitermotivation und -bindung beitragen kann. Es hat eben alles Vor- und Nachteile.

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